Retrospektive Thomas Harlan – Sohn, Künstler, revolutionärer Weltbürger

 

„Mühe, Mühe. Ich habe mir sehr viel Mühe gegeben. Und wo sich die Mühe in Tätigkeiten übersetzt hat, fände ich gut, dass diese Mühe nachwirken würde, diese kleinen Zeichen.“ (Thomas Harlan)

 

Nach über zehn Jahren werden Thomas Harlans Filme als ein Bestandteil dieser „kleinen Zeichen“ wieder in einer Veranstaltungsreihe vereint. Ergänzt durch Filme mit und über Harlan sowie Filmeinführungen, Lesungen und Diskussionen seiner Prosa. Thomas Harlan (1929–2010) war Filmemacher, aber auch Autor, Dramatiker, Theaterregisseur und Nazi-Verfolger. Sein Leben ist die außerordentliche deutsche Biografie eines Mannes, der Geschichte ge- und erlebt hat wie kaum ein anderer. Im Kindesalter ein Abendessen mit Hitler. Goebbels geht eines Nachts mit ihm eine Märklin-Eisenbahn kaufen. 1947 verlässt er Deutschland – auch weil ihm vom Vater eine Auseinandersetzung über dessen Verantwortung als Regisseur des antisemitischen Hetzfilms „Jud Süß“ verwehrt blieb. Er lebt von da an hauptsächlich in Frankreich und Italien und arbeitet an Projekten in der ganzen Welt. Er kehrt Anfang 2001 in eine Lungenklinik nach Deutschland zurück, wo er bis zu seinem Tod 2010 bleiben wird.

 

Seine wenigen Filme sind „Dokumente einer politischen Aufmerksamkeit, einer Hellhörigkeit für bestimmte Konstellationen.“ (Thomas Harlan) Sie sind keinesfalls das Produkt bloßer dokumentarischer Beobachtungen. Die Manipulation durch die Kamera, die Herstellung von Wirklichkeit mit oder ohne Drehbuch ist ein wesentliches Merkmal seiner filmischen Arbeit. Die Hintergründe dafür bilden unter anderem seine akribischen Recherchen zur Schuld deutscher NS-Täter in den 60er-Jahren oder sein Engagement in revolutionären Zusammenhängen in den frühen 70er-Jahren. Thomas Harlans streitbares Schaffen lässt sich jedoch nicht auf seine Filme reduzieren. Die künstlerische Methode der Aufklärung und Anklage bestimmt genauso seine Theaterstücke der 50er-Jahre als auch seine Romane, die in den Jahren vor seinem Tod entstehen.

 

Zu den Veranstaltungen im Metropolis-Kino erwarten wir zahlreiche Gäste, mit denen wir in offenen Gesprächsrunden Leben und Werk Harlans diskutieren: Katrin Seybold, Chester Harlan, Michael Farin, Wolfgang Hörner, Hanns Zischler, Gabriele Voss, Christoph Hübner, José Filipe Costa, Bert Rebhandl, Thomas Heise, Caspar Harlan (angefragt) und andere.

 

Organisation/Moderationen: Felix Grimm

 

Wir empfehlen u.a. folgende Links/Artikel:

 

Kompakte Informationen

zu Thomas Harlans Biografie und Werk, zusammengefasst von Sieglinde Geisel.

Neben der kompakten Übersicht der Filme, Bücher und Theaterstücke finden sich auf dieser Webseite zahlreiche Links zu Rezensionen und Texten über Thomas Harlan.

 

Hitler war meine Mitgift

Ein Gespräch mit Jean Pierre Stephan

 

Wer sagt noch seinen Satz? von Matthias Dell

 

Interview von Sieglinde Geisel mit Thomas Harlan in der aktuellen Ausgabe der SINN UND FORM

 

Katrin Seybold zur Retrospektive Vater und Sohn, München 2011:

Retro_Vater_und_Sohn_Filmmuseum.pdf

 

 

Wir bedanken uns für die Unterstützung bei:

 

Filmmuseum München

 

Belleville Verlag Michael Farin

 

Friedrich-Ebert-Stiftung

 



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