Fr 13.4. | 15.30 Uhr | Metropolis




Torre Bela

Portugal 1975, 106 Min., OmdtU

Regie: Thomas Harlan, Kamera: Russel Parker

 

Ein einzigartiges Dokument der portugiesischen Nelkenrevolution 1974. Die Bauern erobern das Haus ihres Landherrn, das Gut Torre Bela. Ursprünglich als Anschauungsmaterial für andere Kooperativen gedacht, das ein Modell von politischem Handeln aufzeigt, entsteht ein Film, der die Gründung einer Kooperative dokumentiert, die es ohne die Dreharbeiten nicht gegeben hätte. Die handelnden Landarbeiter wurden monatelang von der Kamera begleitet, bis die Anwesenheit der Kamera selbstverständlich wurde und diese zum Machtinstrument wird. „Ein Jubelgesang und gleichzeitig eine schonungslose Abrechnung über die Tücken jeder Rebellion, jedes Aufstands.“ (Katrin Seybold)

 

Zu Gast: Katrin Seybold, José Filipe Costa, Christoph Hübner und andere

Vorführung des Splitters »Torre Bela«

 

Biografische Notizen der 70er-Jahre: Italien – Chile – Portugal – Mosambique

 

Thomas Harlan: „»Torre Bela« ist ein Film, der eine ungeheure Zuneigung zu den Menschen hat – und doch sieht, dass alles untergeht. Der ästhetische Mehrwert, den die Arbeit mit Menschen schafft, schiebt sich regelmäßig vor die Ausgangsfrage nach Recht und Unrecht.“

 

Thomas Harlan über »Torre Bela« in "Unbrauchbarkeit aus Prinzip und als Utopie" von Ulrich Kriest, film-dienst 2001

 

Thomas Harlan in Wandersplitter: „Der große Unterschied zu dem, was man ein Dokument nennen könnte, ist, dass das meiste, das passiert ist, ohne uns nicht geschehen wäre. (...) Wie beim Bau einer Intrige entstand ein Film nicht aus einem Drehbuch, sondern zunächst mal entstand nur Wirklichkeit. Es wurde Wirklichkeit produziert, und zwar absichtlich hergestellt. Wirklichkeit, die es sonst gar nicht gegeben hätte. (...) Wichtig ist, dass es objektiv ein Modell der Manipulation ist. Es ist zwar eine intelligente Manipulation, du kannst sie in jeder Hinsicht verteidigen (...). Der Film ist ein Film, den wir uns in der Wirklichkeit nicht als Film, sondern als Wirklichkeit ausgedacht haben, und davon zeugt er. Und das ist eine vollkommene Umdrehung des Dokumentarfilms.“

 



© 2012 dokumentarfilmwoche hamburg | Impressum